Am Dienstag, dem 13. Jänner 2026, lädt das Hans Gross Kriminalmuseum um 18:00 Uhr zum Vortrag der Autorin sowie Theater-, Film- und Medienwissenschaftlerin Susanna Arlt ein. Unter dem Titel „Dokumentierter Alltag im Schatten der NS-Euthanasie“ stellt sie zwei Tagebücher einer Arztfamilie vor, die während der NS-Zeit am damaligen Heil- und Pflegeheim „Feldhof“ (heute LKH Graz II, Standort Süd) lebte.
Dr. Ernst Arlt (1984–1964), Primarius der damaligen „Landes-Heil- und Pflegeanstalt für Geisteskranke am Feldhof“, führte ein geheimes Tagebuch über die Vorgänge in der Anstalt. Es wurde erst drei Jahrzehnte nach seinem Tod an das Steiermärkische Landesarchiv übergeben. Gleichzeitig schrieb seine Frau, Herta Arlt (geb. Klabinus) ein erst kürzlich wiederentdecktes Tagebuch, in dem sie den Familienalltag am „Feldhof“ festhielt.
Diese persönliche Perspektive ermöglicht einen differenzierten Blick auf das Spannungsfeld zwischen (scheinbarem) Alltagsleben und systematischer Gewaltausübung: Wie lebte eine Familie in unmittelbarer Nähe zu Verbrechen? Was durften Ehefrau und Kinder wissen? — und was wurde verschwiegen oder verdrängt? Susanna Arlt thematisiert Mitwisserschaft, Erinnerungskultur und die moralisch-historische Ambivalenz eines Lebens zwischen Normalität und systematischem Unrecht.
Der Vortrag findet im Hauptgebäude der Universität Graz im GEWI-Sitzungszimmer, Universitätsplatz 3 statt.
Das Team der Universitätsmuseen freut sich auf Ihren Besuch!